September 2019

22SepGanztätig24NovMonira Al QadiriEmpire DyeKunstverein Göttingen im Alten Rathaus

Der Kunstverein Göttingen präsentiert mit „Empire Dye“ (dt.: „Farbe/Färbung des Imperiums“) die erste umfassende Einzelausstellung von Monira Al Qadiri in Deutschland. „Empire Dye“ nutzt die Metaphorik des Meeres als Ausgangspunkt, um aus einer futuristischen Perspektive über das unvermeidliche Ende der menschlichen Herrschaft über die materiellen Reichtümer der Erde nachzudenken.

In der Ausstellung im Alten Rathaus in Göttingen werden Skulpturen und Videoarbeiten gezeigt, in denen Al Qadiri, Motive aus der ozeanischen Welt mit der Geschichte des Erdöls ästhetisch und erzählerisch verbindet. Für viele Jahrhunderte basierte die Wirtschaft der Küstenregionen der Golfstaaten auf dekorativen Perlen; auch der eigene Großvater der Künstlerin arbeitete als Sänger auf einem Perlenfischer-Boot. Die durch die Perlen geprägte regionale kulturelle Identität geriet nach der Entdeckung des Erdöls, durch die nachfolgende abrupte wirtschaftliche Entwicklung im zwanzigsten Jahrhundert, nahezu in Vergessenheit. Die unermesslichen Auswirkungen, die das Erdöl auf das kulturelle Erbe, die Gesellschaft und die Erinnerungen in der Region hatte, vergleicht Al Qadiri mit einer außerirdischen Invasion aus dem Weltraum. Die Künstlerin schafft ebenso fantastische wie kritische Bilder von einer besonderen Strahlkraft, in denen es ihr gelingt, aus den Widersprüchen alternative Lesarten der Realität zu gewinnen.

Die schillernden Farbspektren, die die Perlen und das Öl ästhetisch miteinander verbinden, dienen der Künstlerin dazu, die zwei historischen Denkweisen, geprägt durch die jeweils dominierende Wirtschaft, miteinander zu verbinden und darüber hinaus einen Blick in die Zukunft zu wagen. Eine besondere Rolle spielt dabei die Farbe Violett. Galt sie ursprünglich wegen der aufwendigen Gewinnung als besonders wertvolle und vor allem als königliche Farbe, ist es heute die Farbe des größten Unglücks in der Ölindustrie. Der violette Alarm blinkt nämlich nach der höchsten Gefahrenstufe auf: dann, wenn es eigentlich zu spät ist. Die Künstlerin nutzt diese Farbe als Umschreibung des Zustands menschlichen Lebens auf der Welt – eines Alarmzustandes, in dem der Umgang der Menschen mit der Umwelt auf sie selbst zurückfällt.

Monira Al Qadiri (*1983) ist eine kuwaitische Künstlerin, die im Senegal geboren und in Japan ausgebildet wurde. Im Jahr 2010 promovierte sie an der Tokyo University of the Arts in intermedialer Kunst. Sie befasste sich dort mit der Ästhetik der Traurigkeit im Nahen Osten aus Poesie, Musik, Kunst und religiösen Praktiken. Ihre Arbeit beschäftigt sich nun mit unkonventionellen Genderidentitäten, mit Petro-Kulturen und deren möglicher Zukunft sowie mit den Hinterlassenschaften der Korruption. Sie lebt derzeit in Berlin

Al Qadiri hatte u.a. Einzelausstellungen im CIRCL Pavillon, Amsterdam (2018), Sursock Museum, Beirut (2017); Gasworks, London (2017); Stroom Den Haag, Den Haag (2017) und Tokyo Wonder Site, Japan (2009). Ihre Teilnahme an internationalen Gruppenausstellungen umfasst u.a. Forum Expanded der Berlinale, Berlin (2019), die 9. Asia Pacific Triennial, Brisbane (2018); 6. Athen-Biennale, Athen (2018); Lulea-Biennale, Schweden (2018); 20. Festival für zeitgenössische Kunst Sesc_Videobrasil, Sao Paulo (2017); Palazzo Franchetti San Marco, Venedig (2017); Sursock Museum, Beirut (2016); NYU Abu Dhabi (2016). Sie ist 2019 für den Future Generation Art Prize nominiert gewesen.

Kuratorin: Tomke Braun

 

Gefördert durch:
Stiftung Niedersachsen
Nierdersächsische Sparkassenstiftung
Sparkasse Göttingen
Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur
Stadt Göttingen
Landesverband Niedersachsen

Datum

22. September (Sonntag) - 24. November (Sonntag)

Veranstaltungsort

Kunstverein Göttingen im Alten Rathaus

Markt 9, 37073 Göttingen

Öffnungszeiten

Dienstag – Sonntag
11–17 Uhr

Eröffnung:
22. September, 12.00 Uhr

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