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Philipp
Messner

Unknown again
  • 22. April bis 17. Juni 2012
  • Altes Rathaus
  • Markt 9
  • 37073 Göttingen
  • ÖFFNUNGSZEITEN
  • Dienstag – Sonntag 11–17 Uhr
  • VERNISSAGE
  • Samstag 21. April, 17 Uhr

Begleitprogramm

Kostenlose Führungen durch die Ausstellung an den folgenden Sonntagen jeweils um 15.00 Uhr am 29. April, 6. und 13. Mai 2012 mit der Kunsthistorikerin STEPHANIE FIEDEL

  • Eintritt: 5 Euro
  • Mitglieder: 3 Euro
  • Di., 22. 05. 2012, 19 Uhr
  • NACHTCAFÉ
  • Mit: SABINE HESS

Zum abendlichen Nachtcafé in der Ausstellung von Philipp Messner stellt sich der Künstler den Fragen der anwesenden Teilnehmer/innen. In einer Gesprächsrunde — in entspannter Atmosphäre und bei einem guten Tropfen Wein – spricht Frau Dr. Sabine Hess (Professorin für Kulturanthropologie, Universität Göttingen) mit Philipp Messner über seine Arbeit und unsere heutige Bildkultur.

  • Eintritt: 5 Euro
  • Mitglieder: 3 Euro
  • Fr.,01.06.2012, 19 Uhr
  • GEGENÜBER
  • Mit: ANJA MARRACK

In dieser Abendveranstaltung werden die Kunstwerke der Ausstellung von Philipp Messner im Rahmen einer thematischen Führung mit Klassikern der Kunst konfrontiert und bei einem guten Glas Sekt oder Wein mit den Teilnehmern diskutiert.

KUNSTVERMITTLUNG

Schulklassen aller Altersstufen, aber auch schon KiTas und Krippen bietet das Projekt
K U N S T T R A N S F E R ein vielfältiges Kunstvermittlungsprogramm – von Ausstellungsbesuchen, thematischen Aktionstagen, Medienworkshops bis hin zu Ateliereinheiten. Zu jeder Ausstellung finden auch Fortbildungen für päd. Fachkräfte und Studierende statt.

Besuchen Sie uns in unserem Medienraum im Künstlerhaus, Gotmarstrasse 1 (1.OG).
Für Informationen / Anmeldung wenden Sie sich bitte an Anja Marrack, Leitung Kunstvermittlung per Email oder Tel.: 0 551 / 445 73

Das nachgebaute trojanische Pferd von Philipp Messner ist zugleich Ausgangspunkt und Herzstück seiner Ausstellung »Unknown Again« im Göttinger Kunstverein, in der er sich mit den Grenzen zwischen dem Virtuellen und dem Materiellen, dem Illusionären und dem Konkreten auseinandersetzt. Am Eröffnungstag wird das überlebensgroße hölzerne Pferd in einer feierlichen Prozession durch die Straßen der Göttinger Altstadt geschoben und dann im mittelalterlichen Bau des Alten Rathauses aufgebaut. Ursprünglich aus dem Epos Homers stammend ist das trojanische Pferd heute als ein Computervirus bekannt, das sich bei seinem Wirt einnistet und dort Verwüstungen anrichtet. Zwar wird die Bedrohung, die möglicherweise von Messners Pferd ausgeht nicht näher benannt, aber eine ähnliche Täuschung wird suggeriert: das Pferd steht für etwas, das man arglos in seine Mitte nimmt und erst später als Köder und Falle erkennt.

Das Alte Rathaus selbst verwandelt Messner in einen hermetisch versiegelten Raum, indem er Fenster und Türen abdeckt. Von außen mit zwei schwarz-weißen Fahnen gekennzeichnet, wird das mittelalterliche Bauwerk so in eine Reihe von Videovorführungsräumen verwandelt – in einen metaphorischen »Pferdebauch«, in dem an verschiedenen Stellen experimentelle Videoarbeiten zu sehen sind.

In einer der Arbeiten ertastet eine große Hand die inneren Grenzen des Monitors. Ein anderes Werk zeigt einen Turm von acht Monitoren mit Aufnahmen einer »Occupy Wall Street«Kundgebung. Die von Youtube.com stammenden Filme mit ihrem persönlich-individuellen Blick bilden ein multiperspektivisches Monument. In einer weiteren Arbeit sehen wir, wie eine Anstecknadel mit dem symbolisch aufgeladenen SS-Totenkopf von einem Zug überfahren und platt gewalzt wird.

Die grobe Qualität der Videos fällt auf. Eine geringe Auflösung, die Verwendung von Handkameras sowie beiläufige Hintergrundgespräche untergraben jeden Eindruck von Ikonisierung und verleihen den Filmen eine fast haptische Qualität. Die Installation als Ganzes veweist auf eine Verlagerung der Position des Betrachters. Charakteristisch für die zuletzt entstandenen dreidimensionalen Objekte und Installationen des Künstlers mit ihren spiegelnden Oberflächen und der reduzierten Ästhetik war der Blick von Außen. Im Gegensatz dazu ist Messners »Unknown Again« ein Blick aus dem Inneren, ein virtuelles Testgelände und Reaktion auf unsere digital vermittelte Erfahrung des Alltags. Jenseits aller Kritik an den Möglichkeiten des Bildes, Wahrheit zu kommunizieren oder Wirklichkeit abzubilden, nimmt die Ausstellung eine skeptische Position ein und fragt, in welchem Ausmaß wir von der Dynamik einer vom (medialen) Bild dominierten Kultur vereinnahmt sind. Was wir sehen oder zu sehen glauben, ist letztendlich immer komplexer, ist immer vielschichtiger kodiert, als es anfangs scheint.

Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich selbst das gewaltige trojanische Pferd als einfacher Esel, dem eine Möhre am Stock vor der Nase baumelt und ihn vorwärts lockt. So nimmt die Aufführung, in der das Tier durch die Straßen geführt wird – ein Akt, der an eine Demonstration oder eine Parade erinnert – absurde Dimensionen an. Doch wie im Don Quijote, aus dem er entlehnt ist, erweist sich der Esel mit der Möhre auch hier als ein äußerst widerständiger Akteur. Als Köder und selbständig Handelnder zugleich ist Messners Esel ein augenzwinkerndes Statement über die Widerspenstigkeit des Bildes. Mit »Unknown Again« lädt Messner den Betrachter dazu ein, dem Esel auf seinem verschlungenen Pfad von der Welt der halluzinierten Erfahrungen in den verdunkelten Raum der isolierten Bilder zu folgen.